Das Jahr 2025 markierte einen klaren Wendepunkt für den europäischen Schweißmarkt: Weg von reaktiven Maßnahmen, hin zu bewusster Planung. Nach Jahren der Unsicherheit, unterbrochenen Lieferketten und Inflationsdruck trafen Industrieunternehmen ihre Investitionsentscheidungen nun gezielter – auf Basis harter Daten und realistischer Risikobewertungen. Das zeigte sich sowohl in Gesprächen auf dem Shopfloor als auch in den Ergebnissen von Branchenberichten, die das Jahr über veröffentlicht wurden.
Wachstum durch Modernisierung statt Expansion
Im Herbst 2025 stellte Mordor Intelligence im Europe Welding Equipment Market Report 2025 fest, dass der europäische Markt für Schweißtechnik einen Wert von rund 12,2 Milliarden US-Dollar erreicht hatte. Für die kommenden Jahre wird ein stetiges Wachstum auf 15,6 Milliarden US-Dollar bis 2030 prognostiziert. Die Autoren des Berichts betonten jedoch, dass dieses Wachstum nicht mehr durch massenhafte Investitionen in neue Werke getrieben wird, sondern vor allem durch die Modernisierung bestehender Anlagen, Prozessautomatisierung und die Einführung von Lösungen, die die Effizienz steigern, ohne dass die Beschäftigtenzahl stark ansteigt. Die gleiche Botschaft vermittelte auch der IIW Annual Welding Industry Review 2025, der im Juli vom International Institute of Welding veröffentlicht wurde: Der Mangel an qualifizierten Schweißern und steigende Lohnkosten sind inzwischen die Haupttreiber für Robotik und Investitionen in die Ergonomie von Arbeitsplätzen.
Diese makroökonomischen Erkenntnisse schlugen sich rasch in konkrete Geschäftsentscheidungen nieder. „Im Jahr 2025 hörte der Markt auf, schnelle Einzelkäufe zu belohnen. Die Kunden verlangten stattdessen nach Lösungen, die mit der Produktion mitwachsen können. Pay-as-you-grow-Modelle und gestaffelte Investitionsfinanzierungen wurden zu einem selbstverständlichen Bestandteil von Managementgesprächen und nicht nur zu einer Nischenoption.“ – Adam Wojtczak, Mitgründer & Geschäftsführer, CUBE Engineering.
Polen als regionales Zentrum für modernes Schweißen
Dieser Wandel war besonders in Polen spürbar. Trotz des Kostendrucks in Branchen wie der Automobil- und Maschinenbauindustrie kam es dort nicht zu einem massenhaften Investitionsstopp. Im Gegenteil: Viele Unternehmen sahen in der Modernisierung ihrer Schweißarbeitsplätze eine Möglichkeit, ihre Margen zu sichern und die betriebliche Widerstandsfähigkeit zu stärken. Auch der European Manufacturing Outlook 2025, veröffentlicht im März von der European Federation for Welding, Joining and Cutting, bestätigte diesen Trend. Der Bericht hob Mittel- und Osteuropa – insbesondere Polen – als einen der wichtigsten Fertigungsstandorte für fortschrittliche Schweißtechnologien hervor.
Dass diese Berichte die Realität widerspiegeln, zeigte sich auf den wichtigsten Branchenevents des Jahres 2025. Die WELD TECH im September in Warschau, die eine Rekordzahl an Ausstellern und Besuchern verzeichnete, machte deutlich: Automatisierung ist längst nicht mehr nur eine Demonstration technischer Möglichkeiten, sondern ein Werkzeug für den Arbeitsalltag geworden. Die Messestände wurden von Lösungen dominiert, die Schweißtische mit Robotern integrieren, schnelle Umrüstsysteme und modulare Arbeitsplätze für Kleinserien und flexible Fertigung bieten.
Ökosysteme statt Einzelgeräte
Die gleiche Botschaft war bereits mehrere Wochen zuvor auf der SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2025 Messe in Essen zu sehen – einer Veranstaltung, die seit Jahren die Entwicklung des europäischen Schweißens maßgeblich prägt. Im Mittelpunkt standen dort nicht einzelne Geräte, sondern komplette Ökosysteme: von Materialien und Werkzeugen bis hin zu digitalem Produktionsmanagement und der Integration mit kollaborativen Robotern. „Das Jahr 2025 hat deutlich gezeigt, dass technologische Vorteile heute an den Schnittstellen von Systemen entstehen. Die Integration von Schweißtischen mit Robotern und die bewusste Auswahl von Werkstoffen wie DURONEX 1200 oder NITRICORR ermöglichen es, die Effizienz ganzer Fertigungslinien zu steigern – nicht nur einzelner Stationen“, sagte Radosław Zarębski, Mitgründer & Leiter Produktentwicklung, CUBE Engineering.
Im Herbst wurden ähnliche Schlüsse während der ExpoWELDING und TOOLEX in Katowice gezogen. Dort wurde besonders die Bedeutung lokaler Produktion, kurzer Lieferzeiten und Just-in-Time-Logistik hervorgehoben. Für viele Unternehmen auf den Messen war der entscheidende Faktor bei der Lieferantenauswahl nicht mehr nur der Preis, sondern die Fähigkeit, schnell zu reagieren und After-Sales-Support zu bieten. „2025 haben wir klar gesehen, dass Kunden Partner erwarten, die ihr Arbeitstempo verstehen. Kurze Lieferzeiten, Just-in-Time-Logistik und Service für große Modulflotten sind zu einem festen Bestandteil des Angebots geworden – nicht nur ein Zusatz“, sagte Anna Jabłecka, Chief Operating & Key Account Officer, CUBE Engineering.
Ergonomie als starkes Geschäftsargument
Neben der Diskussion über Automatisierung rückten Ergonomie und Arbeitssicherheit immer stärker in den Fokus. Die Erkenntnisse aus dem IIW-Bericht bestätigten sich in den Produktionshallen, wo Investitionen in Nullpunkt-Systeme, die Standardisierung von Arbeitsplätzen und eine bessere Arbeitsorganisation messbare Erfolge brachten. Ergonomie war kein weiches Thema mehr – sie wurde Teil der wirtschaftlichen Gleichung.
Das Jahr 2025 brachte keine einzelne bahnbrechende Erfindung, die die Branche dominierte. Stattdessen brachte es etwas viel Wertvolleres – eine Übereinstimmung zwischen Daten, Branchenevents und der Praxis in der Produktion. Berichte, Messen und die täglichen Erfahrungen der Industriebetriebe sprachen mit einer Stimme: Die Zukunft des Schweißens liegt in Automatisierung, Flexibilität und langfristigen Partnerschaften.
Für CUBE Engineering war dies ein Jahr, in dem wir diese Trends nicht nur beobachtet, sondern gemeinsam mit unseren Kunden, Partnern und der gesamten Branche aktiv mitgestaltet haben.
